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Sein? - Teil 1

Die Unordnung die in seinem Zimmer herrschte war beträchtlich. Bücher die er angefangen hatte zu lesen teilten sich ihren Platz mit Gewichten auf der alten mit asiatischen Symbolen verzierten Holztruhe. Durchaus hätte es einige gegeben, die in der Truhe etwas wertvolles erwartet hätten, doch das schmucke Aussehen der Verpackung wollte nicht so recht zu dem belanglosen Inhalt passen, alte Computerteile und ein roter Sitzball den er zum letzten Mal vor Ewigkeiten aufgeblasen hatte. In einer resignierenden Geste fuhr er sich durch das lange blonde Haar und in Gedanken befand er sich ganz wo anders, als an seinem weißen Ikea Schreibtisch bei dem sich die vordere Blende langsam begann zu lösen. Die Wangen einziehend, sich selbst in das weiche Fleisch des Mundraumes beißend, reflektierte er die letzten Stunden. Irgendwie schien sich der Kreislauf immer wieder zuschließen, immer wieder kamen sie am Anfang an. Adam und Eva? Vielleicht, aber wahrscheinlich noch viel früher hatte diese nicht enden wollende Kreislauf begonnen. Ein Kreislauf auf dem sich heute ganze Religionen aufbauten, Judentum, Christentum, Islam oder Buddhismus. Alle Religionen hatten sich einzelne Stränge der Substanz der Wirklichkeit zu Eigen gemacht, doch die wirkliche Komplexität des Sein oder der reinen Existenz, der heute noch von existierenden Organismen als Leben bezeichnet wurde, hatte sich keine zu eigenen gemacht. Leben, manchmal fragte er sich, wie Lebewesen, die kaum länger lebten, als einen Augenblick, so ein Aufsehen um solch kurze Zeitspannen machen konnten. In Gedanken ging er zurück zu dem Anfang, jedenfalls zu dem Beginn an den er sich noch erinnern konnte, für menschliche Verhältnisse war er alt, älter als jemals ein Lebewesen auf der Erde werden könnte, doch für die Zeitrechnung seiner Art war er jung, fast noch ein Kind. Als er die Augen wieder öffnete blickte er durch die Augen des Jungens in dem er sich momentan befand, nach Ansicht der katholischen Kirche müsste man den Jungen wohl oder übel als Besessen bezeichnen, aber die Anwesenheit seines momentanen Partners, der sich eben an die Anfänge mit Adam und Eva erinnert hatte, bemerkte er nicht. Versonnen betrachtete der Junge die feinen, kaum sichtbaren Narben an seinen Unterarmen. Dort hatte er sich damals im warmen Badewasser die Adern geöffnet, doch gestorben war er nie, dabei erinnerte er sich genau daran, wie das warme Blut an seinen Armen entlang lief und sich mit dem heißem Wasser vermischte. Er hatte gespürt, wie ihn seine Lebenskraft verließ, doch irgendwann schlug er einfach die Augen im erkalteten Wasser auf. Irritiert war sein Blick über das geronnene Blut und die verheilten Narben an seinen Armen gefahren, doch ein Blick auf die Uhr hatte ihm bestätigt, dass er lediglich 6 Stunden im Wasser verbracht hatte. Seine Hände klammerten sich um den kalten Badewannenrand und mit einer Kraft, die er in seinem Körper nicht mehr vermutet hatte, drückte er sich empor. Diese Anstrengung, die eigentlich unmöglich sein sollte, gelang ihm ohne das leiseste Seufzen. Mit der Hand fuhr er sich über das Gesicht, als er gedanklich wieder in der Gegenwart war.

11.6.08 11:32
 


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